Popmusik und Pillenknick

Konsum, Partizipation, Selbstverwirklichung sind Schlüsselbegriffe eines Lebensgefühls, das mit neuer publizistischer Macht in der Gesellschaft allgegenwärtig ist. Pardon und Konkret, Twen, Bravo, Eltern und Jasmin heißen nun die Zeitschriften, die neben dem seit 1967 auch farbigen Fernsehen die Wahrnehmungen prägen.

Enttabuisierung und Befreiung werden zu Synonymen, die „Pille“ zum Symbol eigener Entscheidungskraft.

Neue Möglichkeiten der Mobilität erweitern die Bewegungsräume im Alltag und in der Freizeit. Mofa und Moped, „Ente“ und Ford Capri sind die modischen Attribute jugendlicher Motorisierung, aber auch ein Teil jenes individualisierten Massenverkehrs, für den die politische Ölkrise zum epochalen Schockerlebnis wird.

PopArt ist überall. Bunt und aufreizend kommt die neue Mode daher. Gleichzeitig markieren lange Haare, Jeans und Parka die Uniformen eines neuen Lebensstils, der sich vermeintlich individualistisch gegen das Alte kehrt. Musik spielt, wo man geht und steht. Plattenspieler, Kofferradio und Kassettenrecorder schaffen den mobilen Sound. So mancher Landgasthof mausert sich zur Diskothek, so mancher Bauernhof zum Plattenstudio.

Im politischen Aufbruch kommen Reform und Liberalisierung auf die Tagesordnung. Bildung steht ganz obenan, und so manche Region erfüllt sich den Traum der eigenen Universität. Zunehmend sind es nicht mehr nur die Parteien, sondern „Bewegungen“, in denen sich politischer Wille manifestiert. Frieden und Umwelt werden zu ihren Anliegen, Krieg und Kernkraftwerke seither zu Themen ungebrochener Aktualität. Lange zieht aber auch der Terrorismus die politische Kultur in seinen Bann.

 
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